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Stanford University in Berlin

Krupp Internships / Praktika

30 Jahre: 1982-2012 - Erfahrungsberichte

Eric Yoon

Das Krupp-Programm und Stanford in Berlin ermöglichten es mir, einige Jahre nach der Wiedervereinigung in Berlin und Meißen zu leben, zu studieren und zu arbeiten. Obwohl das schon mehr als ein Jahrzehnt zurückliegt, sind die Erinnerungen an diese Zeit immer noch lebendig, da die Erfahrungen an diesen Orten mich stark geprägt haben.

Die vielen Menschen, denen ich in dieser Zeit begegnet bin, haben mich im großen und ganzen mit offenen Armen empfangen. In Meißen, einer kleinen Stadt im Herzen Ostdeutschlands, war damals kaum etwas seltsamer als der Anblick eines koreanisch-amerikanischen Jungen wie ich, der die verschlungenen mittelalterlichen Gassen entlanglief und ein kaum verständliches Deutsch brabbelte. Trotzdem, viele Menschen – junge und alte, arbeitende und arbeitslose, solche mit großen Erwartungen an die deutsche Vereinigung und solche mit Angst vor ihren Folgen – nahmen mich zu Ausflügen mit, sättigten mich mit Bratwurst und Bier, luden mich in ihre Familien ein und ließen mich an ihren Geschichten teilhaben. Dafür werde ich immer dankbar sein.

Die Lehren dieser Zeit waren sehr einprägsam. Was habe ich gelernt? Daß der Einfluß historischer Ereignisse – wie der Fall des Eisernen Vorhangs – auf den einzelnen Menschen kolossal und komplex ist und nie durch ein Schlagwort oder eine griffige Formel erfaßt werden kann. Daß der Durchschnittsmensch "von der Straße" eine erstaunliche Lebensgeschichte zu erzählen vermag und dir gegenüber völlig neu definieren kann, was es heißt, ein liebenswürdiger und großzügiger Mensch zu sein. Und daß so vieles von dem, wer wir sind und was wir erreicht haben, nicht nur davon abhängt, welche Entscheidungen wir treffen, sondern auch davon, unter welchen Bedingungen wir zufällig geboren werden (wie z.B. davon, hinter welcher Seite des Eisernen Vorhangs wir auf die Welt kamen).

Meine Zeit bei Stanford in Deutschland hat mich inspiriert, bewegt und bescheidener werden lassen. Ich werde diese Zeit nie vergessen.

Eric Yoon, Stanford in Berlin-Student 1992
Praktikant am Europa-Zentrum Meißen e.V. im Frühjahr 1993
Patentanwalt bei Beyer, Weaver and Thomas, Oakland

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Brigid Doherty

Ab April 1986 verbrachte ich als Studentin der Malerei einige Monate an der Berliner Hochschule der Künste (heute Universität der Künste). Mit einer Klasse talentierter und intellektuell anspruchsvoller Meisterschüler arbeitete ich im Atelier von Professor Hans-Jürgen (Hajo) Diehl an eigenen Bildern. Die Idee, mich als eine der ersten nicht-naturwissenschaftlichen Praktikantinnen in diesem besonders kreativen Bereich einzusetzen, stammte von Karen Kramer. Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Während ich bei Stanford in Kalifornien auf meinen Abschluß in Bildender Kunst und in Theorie und Literatur der Moderne hinarbeitete, wurde bei Stanford in Berlin gerade das Krupp-Praktikantenprogramm erweitert. Karen hatte ich kennengelernt, als sie im Programm für "Structured Liberal Education" in Stanford als Gastprofessorin unterrichtete, und vermutlich spürte sie damals, daß Berlin für mich der passende Ort war, um meine Kenntnis moderner Literatur und Kunst zu erweitern und zugleich unter neuen und anspruchsvollen Bedingungen praktisch im Atelier zu arbeiten. An der HdK zu lernen, wie man auf Deutsch kommuniziert, und zugleich zu versuchen, mit einer Gruppe ambitionierter und handwerklich fortgeschrittener Kunststudenten mitzukommen (oder wenigstens mit ihr zurechtzukommen), war sehr aufregend und mitunter einfach überwältigend.

In Berlin erweiterte ich meinen intellektuellen Horizont, ich lernte eine neuen Sprache zu sprechen und in ihr zu denken und zwar anders als je zuvor, ich vertiefte meine Kenntnis moderner Kultur und hier erhielt ich in einer neuen und fordernden Umgebung die Gelegenheit, mich in der Malerei zu versuchen. Aber meine Berlin-Erfahrung bewirkte nicht nur das – sie veränderte meinen Lebensweg! 1987, nach meinem Abschluß in Stanford, entschloß ich mich, mein geisteswissenschaftliches und mein Kunstinteresse in einer kunstgeschichtlichen Promotion mit dem Schwerpunkt Deutsche Moderne zusammenzuführen. Seitdem stehen moderne und aktuelle deutsche Kunst und Literatur und besonders die Kultur der zwanziger sowie der sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts im Zentrum meiner akademischen Arbeit. Mir ist bewußt, daß die Felder meiner Kompetenz als Wissenschaftlerin mit Themen zusammenhängen, die zuerst durch meine Studien in Literatur und Kunstgeschichte bei Karen Kramer, Franz Neckenig und Maria Biege am Berliner Stanford-Zentrum und bei Hajo Diehl an der HdK kennenlernte. Hajo Diehl ist gut bekannt als "kritischer" oder "häßlicher Realist". Er gehörte zu den Gründern der "Sektion Großgörschen 35", einem Künstlerkollektiv, das ab Mitte der Sechziger in seiner Kunst wie in den öffentlichen Stellungnahmen zu seinen Ausstellungen darauf bestand, daß Malerei noch immer als ein Medium scharfer intellektueller und politisch sachkundiger Kritik an den Bedingungen modernen Lebens betrachtet werden kann. Darin bezogen sich Diehl und seine Generation auf deutsche Maler der Zwanziger, besonders auf Veristen wie George Grosz und Otto Dix – Künstler, die Gegenstand meiner kunstgeschichtlichen Forschungen geworden sind.

Jedesmal, wenn ich einen Kurs über die Weimarer Epoche unterrichte, werden meine Erinnerungen an das Berlin der achtziger Jahre besonders lebendig und ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich es genieße, daß meine Beziehung zu meinem Lehrstoff noch auf etwas anderem als auf wissenschaftlichem Interesse beruht. Und obwohl ich keine Malerin geworden bin, bahnte das Krupp-Praktikum mir den Weg zu dem, was ich heute mache, und dies auf eine Weise, wie kein anderes Programm es hätte tun können – durch die Förderung von Interessen und Fähigkeiten, die ich bereits besaß, und durch die Hinführung zu völlig neuen, aber am Ende mit den vorhandenen doch in Zusammenhang stehenden Interessen und Fähigkeiten.

Brigid Doherty, Stanford in Berlin-Studentin im Winter 1986
Praktikantin an der Hochschule der Künste im Frühjahr 1986
Associate Professor of German and Art & Archaeology, Princeton University

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Netithorn Netty Praditsarn

Ich gratuliere zum 25. Jahrestag des Krupp-Praktikantenprogramms! Ich bin noch immer dankbar, daß das Krupp-Praktikum einem internationalen Stanford-Studenten aus Thailand wie mir gestattete, deutsche Arbeitskultur und Arbeitsethik in ihrer besten Form zu erfahren. Das Praktikum übertraf meine kühnsten Vorstellungen – so eine Gelegenheit war der Grund, weshalb ich mich überhaupt für das Stanford in Berlin-Programm bewarb. Durch das Krupp-Praktikantenprogramm erhielt ich die Möglichkeit, am Wissenschaftszentrum Berlin für Professor Dr. Udo E. Simonis zu arbeiten.

Professor Simonis' großartiger Unterricht in Umweltpolitik und -wirtschaft führte dazu, daß ich ein Jahr später meine Magisterarbeit über Thailands Garnelenindustrie schrieb. Jetzt, da ich an Thailands Außenministerium in den diplomatischen Dienst eingetreten bin, sind mir die Arbeitsdisziplin und die Organisationsfähigkeiten, die ich mir bei Professor Simonis abgeschaut habe, sehr nützlich. Zum Beispiel lernte ich, auf der Rückseite von Visitenkarten sowohl Ort und Zeit ihres Empfangs als auch eine kurze Beschreibung der betreffenden Person festzuhalten. Das half mir, mich an die vielen Diplomaten zu erinnern, die ich inzwischen auf der ganzen Welt getroffen habe.

Professor Simonis hielt mich auch zu einer ausgeglichenen Lebensführung an. Nie zuvor hatte ich jemanden erlebt, der so fleißig und effizient war wie er, und doch bedeutete ihm die Familie sehr viel. "Es ist wichtig, klare Prioritäten zu setzen", sagte er eines Tages zu mir. Ich verstand das erst richtig, als mich meine Mutter in Berlin besuchte. Während ihres Besuches war er es, der mich drängte, meinen Arbeitsplatz zu verlassen und Zeit mit meiner Mutter zu verbringen. Er sagte, "Zuhause wartet etwas Wichtigeres auf Dich". Erst da ging mir auf, daß man seine Prioritäten im ganzen Leben klar setzen muß, nicht nur in der Arbeit.

Ich weiß, daß ich der Krupp-Stiftung nie genug für ihre Großzügigkeit danken kann. Um meine Wertschätzung zu zeigen, habe ich gegenüber Deutschen und anderen immer gesagt: "Durch das Krupp-Programm hatte ich das Glück, in Deutschland zu arbeiten – und ich habe eine Menge gelernt."

Netithorn Netty Praditsarn, Stanford in Berlin-Student in Herbst und Winter des Studienjahres 1996-97
Praktikant am Wissenschaftszentrum Berlin im Frühjahr 1997
Zweiter Sekretär, Außenministerium des Königreichs Thailand

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Andrea Everett

Im Sommer 2002 habe ich ein Praktikum beim Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit in der Abteilung für die Koordination der deutschen Politik mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds absolviert. Das war für mich eine großartige Chance, meinem Interesse an politischer und ökonomischer Entwicklung nachzugehen und etwas über einen Aspekt deutscher Politik zu erfahren, den viele Menschen niemals kennenlernen. An dieser Stelle für die deutsche Regierung zu arbeiten, war eine einzigartige Gelegenheit für eine amerikanische Studentin und ohne das Krupp-Programm wäre mir das nicht möglich gewesen. Die Zeit, die ich bei Stanford in Berlin und mit dem Krupp-Programm verbracht habe, hat mich darin bestärkt, nach dem Bachelor-Abschluß mit einem Fulbright-Stipendium nach Berlin zurückzukehren. So verbrachte ich das darauffolgende Jahr damit, mein Interesse an europäischer Politik und transatlantischen Beziehungen, das sich während meines ersten Aufenthaltes in Deutschland herausgebildet hatte, weiter zu verfolgen. Viele der besten Erinnerungen und Erfahrungen meiner Studienzeit sind mit Stanford in Berlin und dem Praktikantenprogramm verbunden. Diese Aufenthalte haben meine weiteren akademischen Entscheidungen in besonderem Maße beeinflußt, sowohl im Bachelor-Studium als auch in der Doktorandenausbildung.

Andrea Everett (Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften), Stanford in Berlin-Studentin im Frühjahr 2002
Praktikantin am BMZ in Bonn im Sommer 2002
Zur Zeit Promovendin am Department of Politics, Princeton University

 

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Tobin Cooley

Die Möglichkeit, wirklich innerhalb der deutschen Kultur zu leben und zu arbeiten, bescherte mir eine lebensverändernde Erfahrung. Durch mein Krupp-Praktikum gelangte ich zu einem nahezu leiblichen Verständnis des deutschen Zeitgeistes, besonders weil es nicht lange nach dem Mauerfall stattfand. Das Selbstvertrauen, daß ich in meiner Fähigkeit, in einer fremden Kultur gut zurechtzukommen, erwarb, erwies sich für mich persönlich wie beruflich als sehr wertvoll. Zum Beispiel: Erst gestern konnte ich als Moderator einer Technologiekonferenz einen deutschen Professor vorstellen (auf Deutsch, was ihn sehr überraschte) und zugleich dadurch, daß ich in der Lage war, meine Erfahrungen in Deutschland mit ihm zu diskutieren, einen wichtigen Kontakt herstellen. Ich werde ihn Ende des Monats in Stuttgart besuchen, um seine jüngsten Forschungen in eines meiner Schlüsselprojekte aufzunehmen. Ohne meine Erfahrungen mit dem Krupp-Praktikantenprogramm wäre ich nicht in der Lage gewesen, eine derartige Verbindung herzustellen.

Tobin Cooley (Ingenieurwesen), Stanford in Berlin-Student 1990
Praktikant am Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe im Winter 1991
Gründer und Hauptgeschäftsführer von Listen Acoustics, Portland, Oregon.